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1930-1945

Der Mähdrescher revolutioniert die Ernte.

Angetrieben von der Vision, einen an die europäischen Ernteverhältnisse angepassten Mähdrescher zu entwickeln, präsentierte das junge Unternehmen 1936 den ersten voll funktionsfähigen Mähdrescher Europas.

1930-1945

Der Mähdrescher revolutioniert die Ernte.

Angetrieben von der Vision, einen an die europäischen Ernteverhältnisse angepassten Mähdrescher zu entwickeln, präsentierte das junge Unternehmen 1936 den ersten voll funktionsfähigen Mähdrescher Europas.

Der Mähdrescher revolutioniert die Getreideernte

Vom Erfolg des Knoters beflügelt wandten sich August Claas und seine Brüder neuen Entwicklungen zu. Besonders fasziniert waren sie von den Mähdreschern in Amerika. Die Claas-Brüder waren fest davon überzeugt, dass sich dieses Verfahren auch in Europa dauerhaft durchsetzen würde. 1936 brachten sie ihren ersten, eigenen Mähdrescher für europäische Ernteverhältnisse auf den Markt. Wie keine andere Maschine außer dem Traktor sollte der Mähdrescher die Welt des Ackerbaus für immer verändern - und damit auch die Geschichte von CLAAS.

Die Krafttechnik hat mit Kohle, Öl, Elektrizität das Weltbild des vergangenen Jahrhunderts geschaffen; das Weltbild des kommenden wird die Landtechnik, besonders der Mähdrescher, formen. Die gewaltigen Umwälzungen, die sich ankündigen und z. T. schon im Gange sind, gehen nicht nur den Landwirt an, sondern wirken sich aus auf Industrie, Wirtschaft und Politik

- Prof. Dr. Karl Vormfelde, 1930

Vorkämpfer des Mähdreschers für europäische Verhältnisse: Prof. Karl Vormfelde.

Als Vorkämpfer des Mähdreschers für europäische Verhältnisse gilt Professor Karl Vormfelde. In den 1930er Jahren leitete er das Institut für Landtechnik an der Universität Bonn-Poppelsdorf. Er hatte gesehen, mit welchem geringen Aufwand in Übersee, vor allem in den USA, Kanada, Argentinien und Australien, mit Hilfe des Mähdreschers geerntet wurde. Dort hatte die Landwirtschaft einen beachtlichen Entwicklungssprung vollzogen. Allein in den Jahren 1913 bis 1927 hatten sie ihre Ausfuhr an Getreide nahezu verdoppeln können – mit weitreichenden Folgen für den Weltgetreidepreis und die Landwirtschaft in den übrigen Ländern.

„Wir stehen augenblicklich vor gewaltigen, einschneidenden Veränderungen im Aufbau der Landwirtschaft großer Teile der Welt, die sich nach dem Krieg, eigentlich erst in den letzten fünf Jahren, entwickelt haben, und deren Weiterentwicklung und deren Folgen für unsere deutsche und die angrenzende Landwirtschaft, aber auch mittelbar für unsere gesamte deutsche Industrie noch gar nicht abzusehen sind“, so Vormfelde in seinem 1931 erschienenen Aufsatz. Vormfeldes kritische Betrachtung der landwirtschaftlichen Entwicklung im In- und Ausland ließ für ihn nur einen Schluss zu: „Also ernten wir doch auch mit Mähdrescher und Schlepper in Deutschland!“.

Vorurteile und Bedenken gegen die neue Technik

Eine fortschrittliche, doch äußerst gewagte Konstruktion. Erste Versuche mit dem CLAAS Zapfwellen-Mähdrescher Bauart Brenner führten nicht zum erhofften Erfolg.

Dabei war jener visionäre Gedanke, der in den Köpfen einiger weniger bereits Ende der 1920-er Jahre allmählich keimte, gar nicht so neu. In Nordamerika liefen Mähdrescher seit geraumer Zeit in größerer Zahl. Auch das Reichskuratorium für Technik in der Landwirtschaft hatte die Notwendigkeit erkannt und bereits Versuche mit einigen wenigen US-amerikanischen Fabrikaten in Deutschland unternommen – jedoch ohne Erfolg. Das Getreide auf dem europäischen Kontinent hatte durchweg längere Halme, war häufig viel feuchter als in den USA und lag infolge schlechten Wetters oft flach auf dem Acker. In diesen Ernteverhältnissen versagten die amerikanischen Mähdrescher. Die Halme wickelten sich in der Maschine um die Trommeln, und immer wieder kam es zum Stillstand.

Vormfeldes Ruf nach mehr Mechanisierung in der Landwirtschaft verhallte daher zunächst ungehört. Zu groß waren die Bedenken und Vorbehalte in der deutschen Wissenschaft und Praxis gegenüber dem Mähdruschverfahren. Aber auch die etablierte Landmaschinenindustrie hatte wenig Interesse, etwas an dieser Situation zu ändern. Sie verdiente noch immer sehr gut an ihren stationären Dreschmaschinen und wollte sich nicht auf riskante Experimente mit dem „Direkt-Ernteverfahren“ einlassen. Ein anderes Problem war die Akzeptanz der neuen Maschine in einem Land, das sich nach der Weltwirtschaftskrise noch mitten in der Rezession befand und mit sechs Millionen Arbeitslosen zu kämpfen hatte. Wozu brauchte man ausgerechnet jetzt eine Maschine, welche menschliche Arbeitskraft ersetzen würde?

Vormfelde musste also erkennen, dass die breite Masse und vor allem die großen Hersteller vom Mähdrescher einfach nicht zu überzeugen waren. Doch er spürte die Richtigkeit seines Gedankens. Schließlich erklärte er seinem Lehrstuhl-Assistenten Dr. Walter Brenner: „Wir müssen nicht zu den großen Firmen gehen, die haben bereits abgewinkt, sondern zu den kleineren. Zu den Gebrüdern Claas zum Beispiel. Ich kenne Bernhard Claas, den Ältesten. Und August Claas, sein Bruder, ist ein Optimist und ein Mann von großer Tatkraft, der schreckt auch vor einem Risiko nicht zurück.“

Der Auftrag: eine funktionierende Maschinen für Europa bauen

Chefkonstrukteur des ersten CLAAS Mähdreschers: Dr. Walter Gustav Brenner

So kam es, dass der 31-jährige Walter Brenner im Jahre 1930 auf Veranlassung seines Chefs die Gebrüder Claas in Harsewinkel besuchte. CLAAS und die Universität Bonn wurden sich schnell über die Personalie einig. Kurz darauf trat Brenner bei CLAAS ein. Sein Auftrag: einen europatauglichen Mähdrescher zu entwickeln.

Über die schwierigen Anfänge der Mähdreschentwicklung berichtet Brenner in seinen Erinnerungen an die Zeit bei CLAAS, niedergeschrieben anlässlich des 75. Geburtstages des Senior-Chefs August Claas:

„Wie alles, was später groß wird, so fing auch der Mähdrescherbau und die Mähdrescher-Entwicklung bei uns sehr klein an, sehr zögernd. Wir brachten in den ersten Jahren (1932-34) jeweils nur ein bis zwei Versuchsmaschinen heraus, die recht und schlecht gingen, an denen wir aber lernten. In einer ersten Periode machten wir überhaupt nur grundsätzliche Dreschtrommelversuche, die für damalige Begriffe neu waren, denn wir beschickten die Trommeln mit einem langen 25-m-Band und erhielten dadurch exakte Werte über ihr Verhalten, wie sie beim Mähdrusch vorliegen. Wir lernten dabei viel und wurden uns allmählich klar über die Zusammenhänge von Leistung, Kraftverbrauch, Ausdrusch und die beste Art der Dreschtrommeln, die für unser Ziel, der Schaffung eines Kleinmähdreschers, der billig sein sollte und in der Hand des deutschen Bauern deutsche Felder abernten musste, geeignet war."

Doch die Anfänge waren äußerst zermürbend und frustrierend für das Entwicklerteam. Der Prototyp des ersten CLAAS Mähdreschers blieb ständig im Getreide stecken. Es war eine Maschine „im Vorschnitt“, die einem Lanz Bulldog Traktor sozusagen „übergestülpt“ wurde und wies schon damals in Richtung einer selbstfahrenden Erntemaschine. Das Getreide wurde dabei am vorne angebrachten Schneidwerk geschnitten und um den Traktor herumgeführt, um dann hinten ausgedroschen zu werden. Der Ansatz war äußerst progressiv und wagemutig zugleich. Zur ersten öffentlichen Vorführung des Prototyps waren Fachleute der ganzen Branche auf einem Feld in der Nähe von Harsewinkel geladen. Statt Säcke voll gedroschenem Getreide erntete man nur Kopfschütteln der Fachwelt. Der Prototyp hatte leider versagt.

Im nächsten Jahr ging es weiter, und der verbesserte Prototyp lief schon besser. Aber man wünschte sich, dass sich wenigstens ein Industriepartner an den hohen Entwicklungskosten dieses Großprojekts beteiligte. August Claas: „Wir packten unseren Mähdrescher der zweiten Auflage auf die Bahn und brachten ihn nach Zweibrücken. Die hohe Direktion von Lanz kam, lächelte und in einem Café wurden nach der Vorführung einige Witze gerissen. Doch vom Mähdrescher wurde dann nicht mehr gesprochen."

In diesem Augenblick ist August Claas zu dem Entschluss gekommen, nicht mehr auf die Anderen zu warten. „Wenn die anderen nicht wollen, dann machen wir es allein“, sagte er und wurde dabei vor allem durch seinen jüngsten Bruder Theo bestärkt.

Der europäische Mähdrescher feiert seine Premiere

Premiere 1936. Der erste CLAAS Mähdrescher, ein Mäh-Dresch-Binder (MDB), läuft in der Ernte.

Nach den herben Rückschlägen mit dem „Vorschnitt“-Mähdrescher konzentrierte sich ab 1935 alles auf den Bau eines gezogenen Anhänge-Mähdreschers. Diesmal wollte man auf Nummer sicher gehen und griff dazu auf bewährte Bauelemente aus vorhandener Erntetechnik zurück. Das Prinzip war einfach:

  • Man nehme einen herkömmlichen Mähbinder und die Dreschmaschine.
  • Man schneide den Mähbinder zwischen Mähtisch und Strohbinder durch.
  • Man setze eine ultrakompakte Dreschmaschine zwischen die beiden Hälften und verbinde das Ganze zu einer Komplettmaschine.

Fertig war er – der Mäh-Dresch-Binder, kurz MDB, aus dem Hause CLAAS. In der CLAAS Mähdrescher-Chronik heißt es dazu: „Das Ergebnis war ein den deutschen Verhältnissen angepasster Mäh-Dresch-Binder (MDB), eine Maschine, die gleichzeitig mähte, das Getreide drosch und das Stroh band. So etwas hatte es in Europa bisher nicht gegeben.

Zur Ernte 1936 wurde die Maschine mit der Maschinennummer 1 an den Gutsbetrieb Zschernitz in der Nähe von Halle (Saale) geliefert. „In einem Arbeitsgang fix und fertig“, so warb die Firma später in Prospekten für ihren Mäh-Dresch-Binder, Bauart Dr. Ing. Brenner. Die Vorteile der in mehrjähriger Arbeit zunächst speziell für deutsche Verhältnisse entwickelten Maschine beeindruckten auch die Fachleute: Sie mähte wie ein Bindemäher, drosch wie ein normaler Breitdrescher, band das Stroh wie ein Strohbinder, reinigte die Körner zweimal, entgrannte und trennte sie von der Spreu. Der Mähdrescher sollte sich bereits ab einer Fläche von 250 Morgen (= 62,5 ha) rentieren, bei einer Druschleistung von durchschnittlich 150 bis 200 Doppel-Ztr. (15 bis 20 t) Körnern täglich – eine für die damalige Zeit enorme Leistung.

Die neue Mähdreschergeneration

Schon 1942 waren die Pläne für die neue Mähdreschergeneration fertig, den CLAAS SUPER.

Im Jahr 1939 lief der 100. CLAAS MDB auf die Felder. In den Kriegsjahren 1940 und 1941 durften dann nach Vorgaben der Behörden jeweils nur noch 450 Maschinen in Harsewinkel hergestellt werden. Insgesamt konnten knapp 1.400 Mäh-Dresch-Binder abgesetzt werden. Im Januar 1943 schließlich untersagte die Regierung die Produktion von Mähdreschern ganz und das Unternehmen musste auf Rüstungsgüterproduktion umstellen. Doch das hielt das Entwicklerteam um Dr. Walter Brenner und August Claas nicht von der Weiterentwicklung des Mähdreschers ab.

Schon 1942 waren die Pläne für die dritte Mähdreschergeneration fertig, den CLAAS SUPER. Ausgestattet mit der Erfahrung von 10 Jahren Mähdrescherentwicklung, 6 Jahren Serienproduktion und den Ernteverfahrungen mit 1.400 MDB-Mähdreschern in ganz Europa entwickelten die CLAAS Ingenieure einen Mähdrescher, der vor allem durch eine hohe technische Zuverlässigkeit und Wirtschaftlichkeit bestach. Der Mähdrusch sollte die Welt des Ackerbaus verändern, wie keine andere Maschine außer dem Traktor. Es war der Beginn einer neuen Ära der europäischen Getreideernte.

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